Verständnis der Verbindung zwischen Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Gesundheit: Eine klinische Einordnung

Typ-2-Diabetes steht in engem Zusammenhang mit koronarer Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, Schlaganfall und weiteren Gefäßerkrankungen. Dieser Überblick erklärt die biologischen Zusammenhänge, aktuelle Risikodaten, typische Besonderheiten der Diagnostik und die Bedeutung einer kombinierten Behandlung von Blutzucker, Blutdruck, Blutfetten und Körpergewicht.

Diabetes & Herz: Warum Herzgesundheit kein Zufall ist, beschreibt eine medizinisch enge Verbindung. Menschen mit Typ-2-Diabetes haben ein zwei- bis vierfach höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, während Herz-Kreislauf-Erkrankungen zugleich die häufigste Todesursache bei Menschen mit Diabetes darstellen. 1 Chronisch erhöhte Blutzuckerwerte, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Übergewicht und Insulinresistenz können sich dabei gegenseitig verstärken.

Warum Typ-2-Diabetes das Herz belastet

Typ-2-Diabetes ist durch eine gestörte Insulinwirkung und eine im Krankheitsverlauf unzureichende Insulinsekretion gekennzeichnet. Erhöhte Glukosewerte beeinflussen sowohl kleine als auch große Blutgefäße und fördern dadurch Gefäßschäden. Gleichzeitig verschärfen erhöhte Blutfette, Bluthochdruck und Adipositas die Belastung für Gefäßwände und Herzmuskel. Diese Kombination beschleunigt die Entstehung atherosklerotischer Veränderungen und erhöht die Wahrscheinlichkeit für koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzschwäche. 2

  • Betroffen sein können große Herzkranzgefäße und kleinere Gefäßstrukturen.
  • Auch Herzmuskel, Herzklappen und das elektrische Reizleitungssystem können beteiligt sein.
  • Eine isolierte Betrachtung des Blutzuckers greift deshalb für die Risikobewertung zu kurz.

Welche Erkrankungen besonders relevant sind

Die koronare Herzkrankheit nimmt bei Menschen mit Diabetes eine zentrale Stellung ein. Bei Typ-2-Diabetes werden 40 bis 70 Prozent der Todesfälle mit einer koronaren Herzkrankheit in Verbindung gebracht. Häufig bleibt die Erkrankung lange unbemerkt, weil nur etwa ein Fünftel der Betroffenen eine klassische, für Angina pectoris typische Symptomatik zeigt. Als weitere mögliche Folgen werden Schlaganfall, Herzinsuffizienz und Durchblutungsstörungen der Beine beschrieben. 3 Diabetes kann außerdem mit Rhythmuserkrankungen und Klappenproblemen verbunden sein.

BereichMögliche Bedeutung bei Typ-2-Diabetes
Koronare HerzkrankheitDurchblutungsstörung der Herzkranzgefäße, oft mit atypischen Beschwerden
HerzinsuffizienzNachlassende Pump- oder Füllfunktion des Herzens
SchlaganfallGefäßbedingtes Ereignis im Gehirn
Periphere GefäßeDurchblutungsstörungen, besonders in den Beinen

Warum Symptome eine Erkrankung nicht sicher ausschließen

Eine Besonderheit ist der teilweise atypische oder symptomarme Verlauf. Bei diabetischer Nervenschädigung können Warnsignale abgeschwächt sein, sodass eine Durchblutungsstörung des Herzens nicht zwingend mit den erwarteten Brustschmerzen einhergeht. Bevölkerungsbasierte Untersuchungen zeigen, dass ungefähr die Hälfte asymptomatischer Personen bereits koronare Verkalkungen aufweist; bei Menschen mit Diabetes wurden solche Veränderungen noch häufiger beobachtet. 3 Beschwerden wie Kurzatmigkeit, ungewohnte Leistungsminderung oder Herzrhythmusstörungen sollten daher medizinisch eingeordnet werden.

  • Fehlende typische Brustschmerzen schließen eine koronare Erkrankung nicht zuverlässig aus.
  • Eine neue oder zunehmende Atemnot kann auf eine Herz- oder Gefäßbelastung hinweisen.
  • Die Diagnostik muss Risikofaktoren, Vorerkrankungen, Befunde und den klinischen Gesamteindruck verbinden.

Risikobewertung und moderne Diagnostik

Aktuelle Empfehlungen verlangen eine strukturierte kardiovaskuläre Risikostratifizierung bei bestehendem Diabetes. Berücksichtigt werden relevante Risikofaktoren, Biomarker und die klinische Situation. Umgekehrt sollte bei erstmaliger kardiovaskulärer Erkrankung aktiv nach einem bislang nicht erkannten Diabetes gesucht werden. Bei Verdacht auf eine koronare Herzkrankheit gewinnt die nichtinvasive Koronar-Computertomographie-Angiographie an Bedeutung. Sie gilt bei niedriger bis mittlerer Vortestwahrscheinlichkeit als wichtiges Erstlinienverfahren. 1 4

Medizinische Darstellung der Verbindung zwischen Typ-2-Diabetes, Blutgefäßen und Herz-Kreislauf-Gesundheit
Medizinische Darstellung der Verbindung zwischen Typ-2-Diabetes, Blutgefäßen und Herz-Kreislauf-Gesundheit
RisikobereichBeispiele für die Einordnung
StoffwechselBlutzucker, HbA1c, Insulinresistenz und Körpergewicht
GefäßeBlutdruck, LDL-Cholesterin und Hinweise auf Atherosklerose
HerzfunktionSymptome, Rhythmus, Pumpfunktion und Hinweise auf Herzinsuffizienz
GesamtbildAlter, Vorerkrankungen, Biomarker und klinischer Verlauf

Welche Behandlungselemente zusammengehören

Eine wirksame Prävention kardiovaskulärer Ereignisse beschränkt sich nicht auf die Senkung des Blutzuckers. Ebenso wichtig sind Blutdruckkontrolle, konsequente Behandlung erhöhter LDL-Werte, Gewichtsmanagement, regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung. Bei Typ-2-Diabetes mit kardiovaskulärer Erkrankung oder hohem kardiovaskulärem beziehungsweise renalem Risiko nennt die Nationale Versorgungsleitlinie neben SGLT2-Hemmern auch GLP-1-Rezeptoragonisten als relevante Therapieoptionen im Gesamtkonzept. 7

  • Blutzuckerziele müssen individuell und im Zusammenhang mit anderen Risiken bewertet werden.
  • LDL-Senkung und Blutdruckbehandlung adressieren eigenständige Gefäßrisiken.
  • Therapieentscheidungen hängen von Begleiterkrankungen, Nierenfunktion und individueller Verträglichkeit ab.
  • Diabetologische, kardiologische und gegebenenfalls weitere Fachbereiche sollten zusammenarbeiten.

Was neuere Studien zur Risikoverteilung zeigen

Eine schwedische landesweite Kohortenstudie untersuchte 404.026 Erwachsene mit Diabetes über fünf Jahre. Davon hatten 365.675 Personen Typ-2-Diabetes und 38.351 Typ-1-Diabetes. Erfasst wurden unter anderem Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Schlaganfall und kardiovaskulärer Tod. Die Auswertung unterstreicht, dass das Risiko nicht bei allen Menschen mit Diabetes gleich verteilt ist, sondern unter anderem von Alter, Geschlecht und weiteren kardiovaskulären Faktoren abhängt. 5

Auch neue Risikomodelle werden untersucht. Eine Analyse von 10.092 Teilnehmenden aus den Studien ACCORD und ACCORDION bewertete den TyG-WWI, der Triglyzeride, Glukose, Gewicht und Taillenumfang kombiniert. Pro Anstieg um eine Standardabweichung war der Wert mit einem um 28 Prozent höheren Risiko für Herzinsuffizienz und einem um 12 Prozent höheren Risiko für Gesamtmortalität verbunden. Der Index ist ein Forschungsinstrument und ersetzt keine ärztliche Diagnose. 6

Einordnung für die langfristige Herzgesundheit

Die Verbindung zwischen Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Gesundheit ist daher mehrdimensional. Entscheidend sind nicht nur einzelne Blutzuckerwerte, sondern die langfristige Entwicklung von Blutdruck, Blutfetten, Körpergewicht, Nierenfunktion und möglichen Herzsymptomen. Viele Begleiterkrankungen verlaufen zunächst unauffällig und werden erst bei einem akuten Ereignis sichtbar. Eine individuelle Risikoeinschätzung und regelmäßige Verlaufskontrolle helfen, Veränderungen früher zu erkennen und die Behandlung an das tatsächliche Gesamtrisiko anzupassen. 1 7

  • Herz-Kreislauf-Risiken sollten bereits bei der Diagnose und im weiteren Verlauf bewertet werden.
  • Neue Beschwerden benötigen eine medizinische Abklärung, auch wenn typische Schmerzen fehlen.
  • Eine kombinierte Kontrolle mehrerer Risikofaktoren ist wirksamer als die Konzentration auf einen Einzelwert.

Quellen

  1. Wiener klinische Wochenschrift, Kardiovaskuläre Erkrankungen und Herzinsuffizienz bei Diabetes: Diagnostik und Management, Springer Nature
  2. SPOTLIGHT Diabetes, Diabetes mellitus Typ 2, Thieme
  3. Diabetologie Online, Update Diagnostik und Therapie der koronaren Herzkrankheit
  4. Deutsches Gesundheitsportal, Diabetes & Herz: Warum Herzgesundheit kein Zufall ist
  5. Diabetologie Online, Kohortenstudie zu kardiovaskulären Risiken bei Diabetes
  6. MedWiss.Online, TyG-WWI und kardiovaskuläre Ereignisse bei Typ-2-Diabetes
  7. Medical Tribune, Prävention von Begleiterkrankungen im Fokus


Disclaimer: The information on this site is of a general nature only and is not intended to address the specific circumstances of any particular individual or entity. It is not intended or implied to be a substitute for professional advice.