Arthritis-Schmerzlinderung: Cremes und Gele im Überblick: Wirkstoffe, Evidenz und Risiken

Cremes, Gele und Salben können bei bestimmten Gelenkbeschwerden eine örtliche Ergänzung zur Behandlung sein. Der Überblick ordnet entzündungshemmende NSAR, pflanzliche Präparate, Wärme- und Kühlprodukte nach Wirkweise, Studienlage, Anwendung und Sicherheitsaspekten ein.

Arthritis-Schmerzlinderung mit Cremes und Gelen im Überblick: Entscheidend ist nicht die Darreichungsform allein, sondern der enthaltene Wirkstoff. Bei leichten bis mittelstarken, örtlich begrenzten Beschwerden kommen vor allem entzündungshemmende NSAR-Gele infrage, während pflanzliche, wärmende oder kühlende Präparate eine unterschiedlich gut belegte Ergänzung darstellen. 1

Welche Präparate grundsätzlich infrage kommen

Bei Gelenk- und Muskelschmerzen werden Cremes, Salben und Gele äußerlich auf die betroffene Region aufgetragen. Die am häufigsten verwendeten Arzneistoffe gehören zu den nichtsteroidalen Antirheumatika, kurz NSAR. Dazu zählen Diclofenac, Ibuprofen, Felbinac und Piroxicam. Diese Wirkstoffe hemmen die Bildung von Prostaglandinen und können dadurch Schmerzen sowie lokale Entzündungsreize abschwächen. 1

Topische NSAR sind besonders bei oberflächlichen Gelenken relevant, etwa bei Beschwerden an Knie oder Hand. Für diese Einsatzbereiche ist eine therapeutische Wirksamkeit beschrieben, während die Datenlage bei anderen Schmerzursachen uneinheitlicher sein kann. Bei chronisch entzündlichen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis ersetzen äußerliche Präparate keine ärztliche Behandlung der Grunderkrankung. 3

NSAR-Gele: Wirkung und Grenzen

Diclofenac- und Ibuprofen-Gele gelangen durch die Haut in darunterliegende Gewebe. Laut den bereitgestellten Beratungsdaten wurden therapeutisch wirksame Konzentrationen in Muskulatur, Sehnen, Gelenkkapseln und Bändern nachgewiesen. Sie werden deshalb bei leichten bis moderaten Gelenk-, Muskel- und Sehnenbeschwerden sowie bei stumpfen Verletzungen eingesetzt. Je nach Präparat ist eine Anwendung zwei- bis viermal täglich vorgesehen, wobei die jeweilige Packungsinformation maßgeblich bleibt. 2

Der lokale Auftrag kann die Belastung des gesamten Körpers im Vergleich zu Tabletten reduzieren, beseitigt systemische Risiken aber nicht vollständig. Hautreizungen, allergische Reaktionen und eine unerwünschte Aufnahme in den Körper sind mögliche Probleme. NSAR-Gele sollten nicht auf offene, verletzte oder erkrankte Haut gelangen. Eine Kombination mit eingenommenen NSAR sollte wegen möglicher Mehrbelastungen nicht eigenständig vorgenommen werden. 1

Pflanzliche Wirkstoffe und die Studienlage

Beinwellwurzelextrakt zählt zu den pflanzlichen Optionen mit nachgewiesener schmerzlindernder Wirkung in den bereitgestellten Forschungsangaben. Untersucht wurden unter anderem Anwendungen bei Sprunggelenksverletzungen, Kniegelenkarthrose und Rückenschmerzen. Die Aussage bezieht sich auf bestimmte Präparate und Anwendungsbedingungen, nicht automatisch auf jede Salbe mit Beinwell oder auf jede Form von Arthritis. 1

Bei Arnika ist die wissenschaftliche Beweislage weniger eindeutig. Aussagekräftige Studien zur Wirkung hoch konzentrierter Arnika-Salben fehlen laut der vorliegenden Zusammenfassung. Auch Campher wird häufig wegen eines Wärme- und Durchblutungseffekts eingesetzt, für eine zuverlässige direkte Schmerzlinderung liegen jedoch keine überzeugenden wissenschaftlichen Hinweise vor. Solche Produkte sollten daher nicht mit evidenzbasierten Arzneimitteln gleichgesetzt werden. 1

Wärme, Kälte und Capsaicin

Wärmende Cremes enthalten beispielsweise Capsaicin oder synthetische Capsaicinoide wie Nonivamid. Diese Stoffe reizen Wärmerezeptoren, fördern lokal die Durchblutung und beeinflussen die Schmerzübertragung. In den bereitgestellten Beratungsinformationen werden sie vor allem bei muskulären Beschwerden und Verspannungen genannt. Bei akuten unspezifischen Kreuzschmerzen können wärmende Anwendungen mit Bewegung und Aktivierung kombiniert werden. 2

Capsaicin kann bei länger anhaltenden Beschwerden durch eine wiederholte Reizung und anschließende Desensibilisierung von Schmerzrezeptoren wirken. Wärme- und Kühlpräparate behandeln jedoch nicht die Ursache einer entzündlichen Gelenkerkrankung. Mentholhaltige Gele vermitteln vor allem einen kühlenden Hautreiz und können akute Schmerzspitzen subjektiv abschwächen. Ihre Wirkung ist daher von der entzündungshemmenden Wirkung eines NSAR zu unterscheiden. 5

Unmarkierte Cremes, Gele und Salben neben einer schematischen Darstellung eines schmerzenden Kniegelenks
Unmarkierte Cremes, Gele und Salben neben einer schematischen Darstellung eines schmerzenden Kniegelenks

So unterscheiden sich Creme, Gel und Salbe

Die Begriffe Creme, Gel und Salbe beschreiben zunächst die Grundlage des Präparats, nicht automatisch dessen Wirksamkeit. Gele lassen sich meist dünn verteilen und werden häufig als angenehm kühlend wahrgenommen. Cremes und Salben können je nach Zusammensetzung reichhaltiger sein. Für die therapeutische Beurteilung sind Wirkstoff, Konzentration, zugelassene Indikation, Dosierung und Anwendungsdauer wichtiger als die äußere Bezeichnung. 1

FormWorauf zu achten ist
GelWirkstoff, Konzentration und vorgeschriebene Häufigkeit
CremeVerträglichkeit der Grundlage und vollständige Dosierungsangaben
SalbeGeeignete Hautstelle, Wirkstoffnachweis und mögliche Reizung

Nach dem Auftragen sollten Hände entsprechend der Packungsanweisung gereinigt werden. Für NSAR-Gele wird empfohlen, Wirkstoffreste zunächst mit einem Papiertuch zu entfernen und dieses im Restmüll zu entsorgen, bevor die Hände gewaschen werden. Dadurch soll verhindert werden, dass Arzneistoffe unnötig ins Abwasser gelangen. Schleimhäute, Augen und offene Wunden sind grundsätzlich von der Anwendung auszunehmen. 2

Risiken, Auswahl und ärztliche Abklärung

Ein wesentlicher Vorteil äußerlicher NSAR ist die geringere Belastung des Magen-Darm-Trakts im Vergleich zu oral eingenommenen Schmerzmitteln. Daraus folgt jedoch keine vollständige Nebenwirkungsfreiheit. Bei empfindlicher Haut, bekannten NSAR-Reaktionen, Schwangerschaft, gleichzeitiger Medikamenteneinnahme oder großflächiger Anwendung ist eine Beratung durch Arzt oder Apotheke sinnvoll. In Österreich sind viele wirksame Schmerzsalben apothekenpflichtig, während pflegende oder homöopathische Produkte auch in Drogerien erhältlich sein können. 7

Bei länger bestehenden, wiederkehrenden oder zunehmenden Gelenkschmerzen sollte die Ursache medizinisch geklärt werden. Arthrose und rheumatoide Arthritis haben unterschiedliche Krankheitsmechanismen und erfordern unterschiedliche Behandlungskonzepte. Bewegungstherapie, Physiotherapie und weitere ärztlich festgelegte Maßnahmen bleiben wichtige Bestandteile. Eine Creme oder ein Gel kann Beschwerden lokal lindern, verändert aber nicht grundsätzlich den Krankheitsverlauf. 3

Was Verbrauchertests zur Orientierung beitragen

Verbrauchertests können zusätzlich zur medizinischen Evidenz die Deklaration und Inhaltsstoffe eines Präparats bewerten. In einem im Recherchematerial beschriebenen ÖKO-TEST wurden 20 Schmerzsalben untersucht; fünf erhielten die Bestnote. Kritisiert wurden fehlende wissenschaftliche Belege oder bedenkliche Inhaltsstoffe für Gesundheit und Umwelt. Das Testergebnis ist eine Momentaufnahme und ersetzt weder die Fachinformation noch eine individuelle Beratung. 4

Als sachliche Auswahlkriterien gelten daher ein klar ausgewiesener Wirkstoff, eine passende zugelassene Anwendung, nachvollziehbare Dosierungsangaben und eine überschaubare Anwendungsdauer. Markenname, Werbeversprechen oder ein Wärmegefühl sind dagegen kein verlässlicher Beleg für eine entzündungshemmende Wirkung. Bei ausbleibender Besserung, starken Schwellungen, Rötung, Überwärmung oder eingeschränkter Beweglichkeit ist eine ärztliche Einschätzung wichtiger als ein Wechsel zwischen verschiedenen Produkten. 6

Quellen

  1. NDR: Schmerzgel und Schmerzsalbe: Wirkung und Anwendung, https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/schmerzgel-und-schmerzsalbe-wirkung-und-anwendung,schmerzsalbe100.html
  2. PTA-Forum: Beratung kompakt: Den Schmerz wegschmieren, https://www.pta-forum.de/den-schmerz-wegschmieren-167018/
  3. Die PTA: Gelenkschmerz hat viele Gesichter, https://www.diepta.de/fortbildung/detail/gelenkschmerz-hat-viele-gesichter/gelenkschmerz-behandeln
  4. Abendblatt: Schmerzsalben bei ÖKO-TEST, https://www.abendblatt.de/ratgeber-wissen/article410656926/schmerzsalbe-im-test-oeko-test-kytta-finalgon-arnika.html
  5. Medizin transparent: Schmerzgele, https://www.medizin-transparent.at/schmerzgele/
  6. Apotheken Umschau: Arthrose: Was hilft gegen die Schmerzen?, https://www.apotheken-umschau.de/krankheiten-symptome/gelenkprobleme/arthrose-was-hilft-gegen-die-schmerzen-711907.html
  7. Österreichische Apothekerkammer: Arthrose-Schmerzmittel richtig anwenden, https://www.apothekerkammer.at/journal/artikel/arthrose-schmerzmittel-richtig-anwenden


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